MSM – Schwefel für Gesundheit, Immunsystem & Schmerzlinderung?

Methylsulfonylmethan (MSM) soll unter anderem bei schmerzhaften Gelenkerkrankungen und Heuschnupfen helfen, das Immunsystem stärken, vor oxidativem Stress und Autoimmunerkrankungen schützen sowie vieles mehr. Wir fragen uns: Was sagt die Wissenschaft zu MSM? Und hat MSM als Nahrungsergänzungsmittel bei Arthrose, Rheuma, Rücken- und Muskelschmerzen sowie entzündlichen Erkrankungen und Heuschnupfen einen berechtigten Stellenwert erhalten – oder ist vielleicht doch alles nur Marketing? Die Antwort ist etwas überraschend.

Was ist MSM eigentlich?

Methylsulfonylmethan (MSM) – auch bekannt als Dimethylsulfon, Methylsulfon, Sulfonylbismethan, organischer Schwefel oder kristallines Dimethylsulfoxid – ist eine natürliche schwefelorganische Verbindung, die in Lebensmitteln wie Obst, Gemüse, Getreide, Kaffee, Bier, Tee und Kuhmilch enthalten ist.1

MSM hat in vitro entzündungshemmende und antioxidative Eigenschaften zeigen können. Ebenso konnte man im Reagenzglas zeigen, dass MSM bestimmte Signalsubstanzen des Immunsystems, sogenannte Interleukine, reduzieren kann. Weiterhin scheint MSM die Funktionen von Makrophagen und das Wachstum von Tumorzellen (Krebs) beeinflussen zu können.2 Dadurch kann MSM womöglich chronische Entzündungen abschwächen, Immunreaktionen in die andere Bahn lenken und Krebsentstehungen positiv beeinflussen.

Das Wesentliche: MSM ist eine natürlich vorkommende Schwefelverbindung mit potenziell antioxidativen, immunmodulierenden und entzündungshemmenden Eigenschaften.

Hilft MSM bei chronischen Schmerzen?

Ein Forscherteam aus den USA hat 2019 in einer systematischen Übersichtsarbeit den Zusammenhang verschiedener Nahrungsergänzungsmittel, einschließlich MSM, auf chronische Schmerzen des muskuloskelettalen Systems untersucht.3 Während uns schon gut bekannte Nahrungsergänzungsmittel wie Omega-3 aus Fischöl und Vitamin D einen schmerzlindernden Effekt zeigten, schnitt MSM wenig überzeugend ab.

MSM kann womöglich chronische Schmerzen lindern, aber die Datenlage ist zu klein, um eindeutige Aussagen zu tätigen.

Bisher konnten Studien noch zu keinem eindeutig schmerzlindernden Effekt von MSM kommen. Das liegt womöglich aber gar nicht am MSM selbst, sondern an den vergleichsweise mangelhaft durchgeführten Studienmethoden in MSM-Studien, wie ein australisches Forscherteam betont.4 In ihrer Metaanalyse zeigten sie zwar eine positive Tendenz von MSM, aber die Daten waren mit gerade mal 3 Studien zu klein, um eine evidenzbasierte Empfehlung ausschreiben zu können.5

Gerade qualitativ hochwertige Studien (doppelblinde randomisiert kontrollierte Studien über 12 Wochen) mit MSM-Supplementationen an Arthrose-Patienten zeigten durchaus signifikante Schmerzreduktionen bei hoher Dosierung (2×3 g MSM täglich).6 und zumindest eine geringfügige Schmerzlinderung bei niedriger Dosis (3×1,125 g MSM täglich).7

Das Wesentliche: In qualitativ gut durchgeführten Studien zeigte MSM eine gewisse Schmerzlinderung. Allerdings sind die Gesamtdaten zu klein, um von einer klinischen Evidenz zu sprechen.

Wundermittel MSM beim Sport?

Zu MSM und Sport gibt bisher keine systematische Übersichtsarbeit oder Metaanalyse. Was es jedoch gibt, sind einzelne randomisiert kontrollierte Studien. Wir thematisieren vier Publikationen von 2011 bis 2017, die placebokontrolliert sind.

MSM könnte den oxidativen Stress beim Laufen mindern

Die erste Studie erschien 2011 von einem dreiköpfigen Forscherteam aus Iran. Sie gaben 18 untrainierten, gesunden Männern entweder täglich 50 mg MSM pro kg Körpergewicht (bei 70 kg sind das 3,5 g MSM) oder aber ein Placebo (reines Wasser).8 Sie sollten die Supplementation über 10 Tage aufrechterhalten, woraufhin eine 14 km lang Strecke gelaufen werden sollte. Es zeigte sich, dass nach dem Laufen die Marker für den oxidativen Stress (MDA, PC und GSSG) in beiden Gruppen stiegen, aber die Serumspiegel in der MSM-Gruppe vergleichsweise niedriger, teils signifikant niedriger waren. Entsprechend war der GSH-Spiegel und damit die GSH/GSSG-Ratio erhöht. Diese Arbeit gab den ersten Hinweis, dass MSM die antioxidative Kapazität bei Sportlern steigern könnte.

Für Sportler sind die Ergebnisse von MSM-Studien teils widersprüchlich. Bisher scheint es keine eindeutige Evidenz für eine MSM-Supplementation zu geben.

In der zweiten randomisiert kontrollierten Studie hat das oben genannte Forscherteam 2013 mit weiteren Forscherkollegen nochmal an MSM angesetzt. Dieses Mal wollten sie testen, ob auch die einmalige, hochdosierte Gabe von MSM kurz vor einer körperlichen Belastung einen Einfluss auf die totale antioxidative Kapazität hat.9 Das Design war ähnlich: Hierfür wurden 16 jungen, gesunden Männern entweder täglich 100 mg MSM pro kg Körpergewicht (bei 70 kg → 7 g MSM) oder aber ein Placebo (reines Wasser) gegeben.

Die großen Unterschiede waren zum einen die doppelte Dosierung und zum anderen die einmalige Gabe zwei Stunden vor Belastungsbeginn. Danach durften die Probanden für 45 min intensiv laufen (bei 75 % des VO2max auf dem Laufband). Neben der totalen antioxidativen Kapazität wurden ebenso der GSH-Spiegel sowie Marker für den oxidativen Stress (MDA, Harnsäure, Bilirubin, PC und Vitamin E) im Serum gemessen. In den Ergebnissen zeigte sich, dass die totale antioxidative Kapazitäten in der MSM-Gruppe 24 Stunden nach dem Training erhöht war. Außerdem waren die Werte für Harnsäure und Bilirubin (= ein Abbauprodukt des Hämoglobins) unmittelbar nach dem Training niedriger. Nichtsdestotrotz konnte der GSH-Spiegel im Plasma nicht erhöht werden. Mit anderen Worten konnte der oxidative Stress in einigen objektiv messbaren Parametern positiv verändert beeinflusst werden, nicht aber bei allen.

Das Wesentliche: Sowohl die dauerhafte als auch die einmalige Gabe von MSM scheint den oxidativen Stress nach dem Ausdauersport zumindest zu Teilen verringern zu können.

MSM gegen Schmerzen beim Halbmarathon

Rund vier Jahre später wurden die Ergebnisse einer randomisiert kontrollierten Studien eines US-amerikanischen Forscherteams veröffentlicht. Diese Studie untersuchte an 22 gesunden Männern und Frauen die Auswirkungen von MSM nach einem Halbmarathon.10 Drei Wochen lang haben sie täglich entweder 3 g MSM oder ein Placebo (Reismehl) eingenommen. Anschließend wurde der Halbmarathon gelaufen, woraufhin die Blutergebnisse überprüft worden sind.

MSM kann die Muskel- und Gelenkschmerzen nach dem Lauf eines Halbmarathons lindern.

Nicht überraschen hatten alle Probanden nach Beendigung des Halbmarathons erhöhte Marker für oxidativen Stress, Muskelschäden und Schmerzen. Jedoch zeigte die MSM-Gruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe keine statistisch signifikant verringerten Messwerte, die auf eine Verringerung des oxidativen Stresses hindeutete. Ebenso waren die Marker für Muskelschäden (Creatinkinase und Laktatdehydrogenase) in beiden Gruppen ähnlich hoch angestiegen.

Interessanterweise zeigte die Gruppe mit der MSM-Nahrungsergänzung dennoch verringerte Muskel- und Gelenkschmerzen nach dem Training auf einem klinischen, aber nicht statistisch signifikanten Niveau. Die Wissenschaftler erklären dies mit der Vermutung, dass MSM in anderen wissenschaftlichen Untersuchungen entzündungshemmende Eigenschaften zeigte. Eine Verringerung von Entzündungen könnte den Schmerz reduzieren.

Weiterhin ist ein großer Kritikpunkt in der Halbmarathon-Studie, dass keine Blutentnahme unmittelbar vor der körperlichen Belastung stattfand. Doch gerade so eine „Baseline-Blutentnahme“ wäre notwendig gewesen, da sich die Trainingspläne der Probanden voneinander unterschieden. Damit ist auch davon auszugehen, dass sich der Körper an den unterschiedlichen Reiz und somit auf den oxidativen Stress unterschiedlich angepasst hat.

Außerdem war die Zahl der männlichen Probanden vergleichsweise gering, während die oben aufgeführten Studien keine Frauen untersuchten. Es ist nicht geklärt, ob bei der MSM-Supplementation Geschlechter-abhängige Unterschiede bestehen. Diese müssen jedoch berücksichtigt werden, insbesondere im Hinblick der Menstruation.11

Zudem ist die Vergleichbarkeit der Studienergebnisse schwierig, da für die Messung des oxidativen Stresses das Nukleosid 8-OHdG gemessen wurde. Dagegen wurden in der vorherigen Studien andere Marker verwendet. Zuletzt ist hinzuzufügen, dass in allen Fällen die Probandenzahl nicht groß genug ist, um eindeutige Aussagen tätigen zu können.

Das Wesentliche: MSM kann die Muskel- und Gelenkschmerzen nach einem Halbmarathon lindern. Für weitere Aussagen ist die wissenschaftliche Datenlage unzureichend.

MSM als Entzündungshemmer nach anstrengendem Krafttraining

Ein Jahr zuvor publizierte ein US-amerikanisches Forscherduo Ergebnisse einer randomisiert kontrollierten Studie zum Krafttraining. Hierfür haben sie 40 junge, sportlich aktive Männer 100 exzentrischen Wiederholungen am Kniestrecker durchführen lassen. Dabei ergänzte die eine Gruppe entweder jeweils 3 g MSM oder die andere Gruppe ein Placebo mit Reismehl für vier Wochen vor der eigentlichen Belastung.12

Muskelkater nach intensivem Krafttraining? Eine Nahrungsergänzung mit MSM weist Potenzial zur Linderung von Muskelkater und Muskelschäden auf!

Auch in diesem Fall zeigte die Gruppe, die MSM vor dem Training ergänzte, eine Verringerung der Muskelschäden in Form eines weniger intensiven Muskelkaters. Außerdem wurden Blutproben genommen, um zu schauen, wie hoch die Interleukin-Produktion gewesen ist.

Es zeigte sich, dass die MSM-Gruppe weniger Interleukine produzierte. Dies wiederum deutet darauf hin, dass weniger Entzündungsprozesse nach dem Training stattfanden. Insbesondere die Konzentrationen von IL-1β und IL-6 waren reduziert.

Des Weiteren interpretieren die Autoren, dass MSM der Apoptose von Leukozyten (= Zelltod von weißen Blutkörperchen) entgegenwirken könnte. Hintergrund ist, dass sehr intensives und belastendes Training zu einer trainingsinduzierten Leukopenie (= krankhaften Mangel an weißen Blutkörperchen) führen kann. Dies bleibt jedoch spekulativ.

Das Wesentliche: MSM könnte Potenzial zur Verringerung von Muskelschäden bei intensiven Kraftübungen haben. Außerdem kann MSM womöglich intensiven Muskelkater vorbeugen. Allerdings fehlen konkrete Daten zu MSM und traditionellem Krafttraining.

MSM bei allergischem Rhinitis (Heuschnupfen)

Es ist wieder Frühling und damit beginnt die Pollenzeit. Rund eine Person von zehn leidet in Deutschland zwischen Januar und September unter Heuschnupfen13, wobei ein zunehmender Heuschnupfen-Trend diskutiert wird.14

Gerade vom Hörensagen wissen wir, dass MSM bei Heuschnupfen-Patienten beliebt sind. Vermutlich ist dies berechtigt, denn in einer randomisiert doppelblinden Studie mit adaptivem Design wurden Probanden mit Heuschnupfen gebeten, entweder 1, 3 oder 6 Gramm MSM für 14 Tage einzunehmen.15 Das Ergebnis: Die Probanden, die 3 g MSM täglich nahmen, hatten den Heuschnupfen am effektivsten lindern können.

MSM könnte die Heuschnupfen-Symptome merklich lindern. Im Gegensatz zu üblichen Heuschnupfen-Medikamenten führt MSM zu kaum bis gar keinen Nebenwirkungen.

Ähnliche Ergebnisse zeigte eine ältere Untersuchung aus dem Jahre 2002.16 Hier konnten US-amerikanische Forscher zeigen, dass die tägliche Einnahme von 2,6 g MSM über einen Monat hinweg zu einer deutlichen Linderung der Allergiesymptome führte. Außerdem stieg das Energielevel der meisten Probanden nach 2 Wochen am stärksten (signifikant) an.

Da es sich bei dieser Studie um keine randomisiert kontrollierte Studie handelte, muss sie mit Vorsicht gelesen werden. Es wird beispielhaft kritisiert, dass die saisonale Pollenkonzentration unterschiedlich stark ausfallen kann17 Nichtsdestotrotz legten die Studienleiter nahe, dass die Pollenkonzentration im Rahmen der Studiendurchführung im Durchschnitt ähnlich hoch gewesen ist.18

Das Wesentliche: Die Nahrungsergänzung mit MSM kann womöglich Heuschnupfen-Symptome lindern.

MSM zum Schutz vor Autoimmunerkrankungen

Zwar konnte eine Studie an Mäusen auf einen womöglichen Schutz vor der Entwicklung eines lymphoproliferativen Syndroms (ALPS) hindeuten19, aber weitere Untersuchungen fehlen. Außerdem konnten US-amerikanische Forscher wenige Jahre später ebenfalls an Mäusen zeigen, dass MSM nicht vor der Entstehung von Diabetes mellitus Typ 1 hilft.20 Im Gegenteil: MSM scheint die Einschleusung von Diabetogenen (= „Diabetes mellitus auslösenden Stoffen“) an NOD-Mäusen sogar zu fördern.

Einerseits könnte MSM die Entstehung der Autoimmunerkrankung Typ-1-Diabetes sogar fördern statt sie zu hemmen. Andererseits scheint die intravenöse Verabreichung von MSM bei NOD-Mäusen mit transplantierten Inselzellen (= Langerhans-Inseln, die Insulin produzieren) zu helfen. Über komplexe Immunmodulationen kann MSM das Überleben der Inseltransplantate verlängern, indem MSM die Autoimmunreaktivierung unterdrückt.21

Studien zu Autoimmunerkrankungen wurden bisher fast ausschließlich an Mäusen durchgeführt. Obwohl es Hinweise auf möglichen Nutzen gibt, können keine konkreten Aussagen oder Empfehlungen für MSM bei der Behandlung von oder zum Schutz vor Autoimmunerkrankungen ausgesprochen werden.

Darüber hinaus gibt es Hinweise, dass MSM intravesikal verabreicht bei einer chronischen Zystitis wie bei der interstitiellen Zystitis helfen könnte.22 Allerdings gibt es hierzu keine Studien am Menschen, die dies unterstützen. Dies gilt ebenso für topische Verabreichungen von 2%igen MSM-Lösungen an Mäusen mit rheumatoider Arthritis. Obgleich eine solche Lösung die Schwellungen reduzieren konnte.23

Das Wesentliche: Im Gegensatz zu vielen Versprechungen im Netz zeigen wissenschaftliche Publikationen zu MSM nur bedingt Schutzwirkungen vor Autoimmunerkrankungen. Ebenso sind Empfehlungen zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen mit MSM nicht evidenzbasiert, da Studien an Menschen bis dato fehlen.

Zu welchen Nebenwirkungen kann MSM führen?

Obwohl man häufiger von Nebenwirkungen bei der Einnahme von MSM liest, sind rein aus der wissenschaftlichen Perspektive kaum welche bekannt. In der schon oben aufgeführten systematischen Übersichtsarbeit aus dem Jahre 2019 wurden alle möglichen Nebenwirkungen mit aufgezeichnet.24 Dabei zeigte nur eine einzige Studie unerwünschte Nebenwirkungen. Allerdings traten die Nebenwirkungen bei der MSM-Gruppe genauso häufig auf wie in der Placebo-Gruppe.

Die Wissenschaftler notierten folgende (häufige) Nebenwirkungen: Übelkeit, Durchfall, Blähungen, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schlaflosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und eine Zunahme von Allergiesymptomen bei einigen Patienten. Es sei nochmals betont: Diese Nebenwirkungen traten sowohl bei den Probanden auf, die MSM einnahmen, als auch bei den Probanden, die ein Placebo bekamen.

Mögliche Nebenwirkungen von MSM sind Verdauungsbeschwerden wie Übelkeit, Durchfall, Blähungen, aber auch Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schlaflosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten sowie eine Zunahme von Allergiesymptomen sind möglich. Nichtsdestotrotz scheinen die meisten Nebenwirkungen mild und vorübergehend zu sein.

Ähnliche Ergebnisse lieferte ein Team aus dänischen Wissenschaftlern. Sie bezeichnen mögliche Nebenwirkungen als „mild und vorübergehend“, selbst bei hohen Dosen. In der Regel handelte es sich um Verdauungsbeschwerden und Hautreaktionen.25

Allerdings wurden in dieser Arbeit auch Studien herangezogen, in denen teilweise sehr hohe Dosen verabreicht wurden. Außerdem handelte es sich bei einem großen Teil um klinische Studien an Patienten, die in der Regel häufiger mit Unverträglichkeiten reagieren. Zumal die MSM-Gaben zu Teilen intravenös oder transdermal verabreicht worden sind.

Fasst man die wissenschaftlichen Ergebnisse zusammen, sind mögliche unerwünschte Nebenwirkungen bei Gesunden selten und verlaufen sehr mild ab. Es ist möglich, dass diese Nebenwirkungen nach längerer Einnahme komplett abklingen. Sollte es zu stärkeren Nebenwirkungen kommen, stehen diese mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit gar nicht mit der MSM-Einnahme im Zusammenhang. Womöglich stellen sie aber auch einen Nocebo-Effekt dar.

Das Wesentliche: Die Einnahme von MSM-Supplementen führt zu wenigen bis gar keinen Nebenwirkungen. Falls Nebenwirkungen auftreten (u. a. Verdauungsbeschwerden und Hautreaktionen), sind sie i. d. R. schwach ausgeprägt und können auf Dauer abklingen.

Hat MSM Zukunftsaussichten?

Gerade neuere Studienergebnisse bringen hervor, dass MSM vermutlich ein bisher unterschätztes Nahrungsergänzungsmittel darstellt. Es gibt Hinweise, dass MSM womöglich unentdecktes Potenzial zur Behandlung bestimmter Krebsarten und dem metabolischen Syndrom haben kann.26

Ist MSM giftig?

MSM ist theoretisch leicht giftig, jedoch sind tödliche Dosen in Tierstudien erst ab 1 g/kg/Tag bei trächtigen Ratten identifiziert worden. Die Food and Drug Administration (FDA) empfiehlt nicht mehr als 4,8 g pro Tag einzunehmen. Die oben aufgeführten Effekte von MSM wurden in der Regel bei etwa 1 bis 3 Gramm täglich gemessen.27 Außerdem ist anzunehmen, dass die Dosierung auch an das Körpergewicht angepasst werden sollte.

In den kommenden Jahren sind weitere Studien mit MSM als Nahrungsergänzungsmittel zu erwarten.

Eindeutige Empfehlung nicht möglich

Wir wünschen uns einfache Zusammenfassungen, aber bei MSM müssen wir enttäuschen. Es gibt wenige gut durchgeführte Studien, sowohl bei Arthrose, Ausdauersport, Kraftsport als auch Heuschnupfen. Um jedoch eine klare Empfehlung auszusprechen, sind die vorhandenen Daten zu klein und Metaanalysen bis dato nicht durchführbar.

Größere und mehr Studien sind notwendig, um die schmerzlindernde, antioxidative und entzündungshemmende Wirkung von MSM evidenzbasiert zu bestätigen. Bisher sprechen wir nur von Hinweisen. Nichtsdestotrotz scheint MSM ein hohes gesundheitliches Potenzial aufzuweisen, unter anderem …

  • … gegen chronische Schmerzen
  • … für Sportler
  • … für Allergiker (bei Heuschnupfen)
  • … bei chronischen Erkrankungen (von Rheuma bis Krebs)

Probieren geht über Studieren?

Immerhin sind unerwünschte oder gesundheitsschädliche Effekte im Rahmen einer Supplementierung von 1 bis 6 g MSM täglich über bis zu 12 Wochen nicht verzeichnet worden. Damit scheint MSM ein recht sicheres Nahrungsergänzungsmittel zu sein. Aus Erfahrungsberichten und klinischer Anwendung weiß man, dass auch höhere Dosen über einen kurzen Zeitraum möglich sind, aber hierzu fehlen wissenschaftliche Daten.

Bei chronischen Erkrankungen und Vorbelastungen sollte vor der Einnahme von MSM dennoch immer erst der Arzt konsultiert werden. MSM könnte die Wirkungen von Medikamenten negativ beeinflussen oder mit ihnen anderweitig wechselwirken. Sollte nach ärztlicher Absprache keine Kontraindikation vorliegen, könnte man MSM immerhin mal ausprobieren – getreu dem Motto: „Probieren geht über Studieren!“

Bei vorliegender Grunderkrankung sollte vor der Einnahme von MSM eine ärztliche Konsultation stattgefunden haben.

Was sind deine Erfahrungen mit MSM?

Wir interessieren uns dafür, welche Erfahrungen du mit MSM gemacht hast. Schreibe es uns in die Kommentare – wir sind gespannt!

Esst gesund & lecker!
Adrian Famula aka Famulus

Quellen

  1. Brancaccio, M., Mennitti, C., Cesaro, A., Fimiani, F., Moscarella, E., Caiazza, M., Gragnano, F., Ranieri, A., D’Alicandro, G., Tinto, N., Mazzaccara, C., Lombardo, B., Pero, R., Limongelli, G., Frisso, G., Calabrò, P., & Scudiero, O. (2020). Dietary Thiols: A Potential Supporting Strategy against Oxidative Stress in Heart Failure and Muscular Damage during Sports Activity. International journal of environmental research and public health, 17(24), 9424. https://doi.org/10.3390/ijerph17249424
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  3. Crawford, C., Boyd, C., Paat, C. F., Meissner, K., Lentino, C., Teo, L., Berry, K., & Deuster, P. (2019). Dietary Ingredients as an Alternative Approach for Mitigating Chronic Musculoskeletal Pain: Evidence-Based Recommendations for Practice and Research in the Military. Pain medicine (Malden, Mass.), 20(6), 1236–1247. https://doi.org/10.1093/pm/pnz040
  4. Liu, X., Eyles, J., McLachlan, A. J. & Mobasheri, A. (2018). Which supplements can I recommend to my osteoarthritis patients? Rheumatology (Oxford, England), 57(suppl_4), iv75-iv87. https://doi.org/10.1093/rheumatology/key005
  5. Liu, X., Machado, G. C., Eyles, J. P., Ravi, V., & Hunter, D. J. (2018). Dietary supplements for treating osteoarthritis: a systematic review and meta-analysis. British journal of sports medicine, 52(3), 167–175. https://doi.org/10.1136/bjsports-2016-097333
  6. Kim, L. S., Axelrod, L. J., Howard, P., Buratovich, N., & Waters, R. F. (2006). Efficacy of methylsulfonylmethane (MSM) in osteoarthritis pain of the knee: a pilot clinical trial. Osteoarthritis and cartilage, 14(3), 286–294. https://doi.org/10.1016/j.joca.2005.10.003
  7. Debbi, E. M., Agar, G., Fichman, G., Ziv, Y. B., Kardosh, R., Halperin, N., Elbaz, A., Beer, Y., & Debi, R. (2011). Efficacy of methylsulfonylmethane supplementation on osteoarthritis of the knee: a randomized controlled study. BMC complementary and alternative medicine, 11, 50. https://doi.org/10.1186/1472-6882-11-50
  8. Nakhostin-Roohi, B., Barmaki, S., Khoshkhahesh, F., & Bohlooli, S. (2011). Effect of chronic supplementation with methylsulfonylmethane on oxidative stress following acute exercise in untrained healthy men. The Journal of pharmacy and pharmacology, 63(10), 1290–1294. https://doi.org/10.1111/j.2042-7158.2011.01314.x
  9. Nakhostin-Roohi, B., Niknam, Z., Vaezi, N., Mohammadi, S., & Bohlooli, S. (2013). Effect of single dose administration of methylsulfonylmethane on oxidative stress following acute exhaustive exercise. Iranian journal of pharmaceutical research : IJPR, 12(4), 845–853.
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  11. Romero-Parra, N., Cupeiro, R., Alfaro-Magallanes, V. M., Rael, B., Rubio-Arias, J. Á., Peinado, A. B., Benito, P. J., & IronFEMME Study Group (2021). Exercise-Induced Muscle Damage During the Menstrual Cycle: A Systematic Review and Meta-Analysis. Journal of strength and conditioning research, 35(2), 549–561. https://doi.org/10.1519/JSC.0000000000003878
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  13. Bergmann, K.-C., Heinrich, J. & Niemann, H. (2016). Current status of allergy prevalence in Germany: Position paper of the Environmental Medicine Commission of the Robert Koch Institute. Allergo journal international, 25, 6–10. https://doi.org/10.1007/s40629-016-0092-6
  14. Hermann-Kunz, E. & Thierfelder, W. (2001). Allergische Rhinitis und Sensibilisierungsraten – Nimmt die Prävalenz wirklich zu? Wie sicher sind unsere Informationen? Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz, 44(7), 643–653. https://doi.org/10.1007/s001030100212
  15. Hewlings, S., & Kalman, D. S. (2018). Evaluating the Impacts of Methylsulfonylmethane on Allergic Rhinitis After a Standard Allergen Challenge: Randomized Double-Blind Exploratory Study. JMIR research protocols, 7(11), e11139. https://doi.org/10.2196/11139
  16. Barrager, E., Veltmann, J. R., Jr, Schauss, A. G., & Schiller, R. N. (2002). A multicentered, open-label trial on the safety and efficacy of methylsulfonylmethane in the treatment of seasonal allergic rhinitis. Journal of alternative and complementary medicine (New York, N.Y.), 8(2), 167–173. https://doi.org/10.1089/107555302317371451
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  18. Barrager, E., & Schauss, A. G. (2003). Methylsulfonylmethane as a treatment for seasonal allergic rhinitis: additional data on pollen counts and symptom questionnaire. Journal of alternative and complementary medicine (New York, N.Y.), 9(1), 15–16. https://doi.org/10.1089/107555303321222874
  19. Morton, J. I., & Siegel, B. V. (1986). Effects of oral dimethyl sulfoxide and dimethyl sulfone on murine autoimmune lymphoproliferative disease. Proceedings of the Society for Experimental Biology and Medicine. Society for Experimental Biology and Medicine (New York, N.Y.), 183(2), 227–230. https://doi.org/10.3181/00379727-183-42409
  20. Klandorf, H., Chirra, A. R., DeGruccio, A., & Girman, D. J. (1989). Dimethyl sulfoxide modulation of diabetes onset in NOD mice. Diabetes, 38(2), 194–197. https://doi.org/10.2337/diab.38.2.194
  21. Lin, G. J., Sytwu, H. K., Yu, J. C., Chen, Y. W., Kuo, Y. L., Yu, C. C., Chang, H. M., Chan, D. C., & Huang, S. H. (2015). Dimethyl sulfoxide inhibits spontaneous diabetes and autoimmune recurrence in non-obese diabetic mice by inducing differentiation of regulatory T cells. Toxicology and applied pharmacology, 282(2), 207–214. https://doi.org/10.1016/j.taap.2014.11.012
  22. Kim, R., Liu, W., Chen, X., Kreder, K. J., & Luo, Y. (2011). Intravesical dimethyl sulfoxide inhibits acute and chronic bladder inflammation in transgenic experimental autoimmune cystitis models. Journal of biomedicine & biotechnology, 2011, 937061. https://doi.org/10.1155/2011/937061
  23. Elisia, I., Nakamura, H., Lam, V., Hofs, E., Cederberg, R., Cait, J., Hughes, M. R., Lee, L., Jia, W., Adomat, H. H., Guns, E. S., McNagny, K. M., Samudio, I., & Krystal, G. (2016). DMSO Represses Inflammatory Cytokine Production from Human Blood Cells and Reduces Autoimmune Arthritis. PloS one, 11(3), e0152538. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0152538
  24. Crawford et al. (2019), siehe Quelle 3
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  26. Butawan, M., Benjamin, R. L., & Bloomer, R. J. (2017). Methylsulfonylmethane: Applications and Safety of a Novel Dietary Supplement. Nutrients, 9(3), 290. https://doi.org/10.3390/nu9030290
  27. Borzelleca J.F., Sipes I.G., Wallace K.B. Dossier in Support of the Generally Recognized as Safe (GRAS) Status of Optimsm (Methylsulfonylmethane; MSM) as a Food Ingredient. Food and Drug Administratio; Vero Beach, FL, USA: 2007.

Adrian Famula

Adrian hat sich spezialisiert auf Beiträge und Artikel zur Sport- und Ernährungswissenschaft. Seit seiner Jugendzeit beschäftigt er sich in seiner Freizeit mit sport- und ernährungsrelevanten Themen. Dies ist seinem Typ-1-Diabetes zu "verdanken", den er mit 13 Jahren diagnostiziert bekam. Auf YouTube kennt man ihn unter dem Namen ‚Famulus‘. Den Kanal hat er während seiner Abiturzeit gegründet und seitdem wurden seine Videos über eine Million Mal von Schülern, Lehrern und Dozenten sowie von anderen Interessenten angeklickt. Seine Philosophie: »Ausgelernt hat man nie. Jeden Tag lerne ich etwas Neues dazu. Deshalb freue ich mich immer über kritische Rückmeldungen und über konstruktive Kritik zu allem, was du von mir siehst, hörst und liest!« Instagram: @adrian_famula YouTube: Famulus Website: www.adrian-famula.de
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